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Rheuma in Zahlen

Betroffene Menschen in Deutschland

Muskuloskelettale Erkrankungen sind die wichtigste Ursache von anhaltenden Schmerzuständen und Funktionseinschränkungen.

  • Etwa ein Viertel aller Deutschen leidet an Funktionseinschränkungen der Bewegungsorgan1, 2.
  • Etwa 10 Millionen Betroffene haben klinisch manifeste, behandlungsbedürftige chronische Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates.
  • Knapp sieben Millionen Menschen haben schwere chronische Rückenschmerzen
  • Etwa fünf Millionen symptomatische Arthrosen.
  • 1,5 Millionen Menschen – zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung1 leiden unter entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.
  • Hinzu kommen etwa 20.000 rheumakranke Kinder3.
  • Das Lebenszeit-Risiko für eine entzündlich-rheumatische Erkrankung wird nach amerikanischen Daten auf rund 8% für Frauen und 5% für Männer geschätzt4.

Die nachfolgend angegebenen Zahlen von Betroffenen in Deutschland beziehen sich (mit Ausnahme der JIA) auf die erwachsene Bevölkerung zum Stichtag 31.12.2014.

Die Zahlen im Einzelnen


1. Rheumatoide Arthritis
(entzündliches Gelenkrheuma)

Häufigkeit:

  • ca. 0,8% (0,3-1%) der erwachsenen Bevölkerung = ca. 550 000 Betroffene2, 56, 7, 8, 9
  • Neuerkrankungen ca. 20 - 40 je 100.000 Personen pro Jahr2 

Häufigkeit erhöht bei:

  • höherem Alter, weiblichem Geschlecht (Frauen dreimal häufiger als Männer), bestimmten genetischen Markern, Rauchen, Übergewicht7, 8

Krankheitsbeginn:

  • häufig zwischen 50 und 70 Jahren7

 

2. Spondyloarthritiden, SpA 
(entzündl. Erkrankung der Wirbelsäule und der peripheren Gelenke)

Häufigkeit:

  • Ankylosierende Spondylitis (früher Morbus Bechterew): 0,1 bis 1,4% der erwachsenen Bevölkerung, abhängig von der Häufigkeit von HLA-B27 in der Bevölkerung5,10. Im Mittel ca. 0,511 =340.000  Betroffene
  • Undifferenzierte und sonstige Spondylarthritiden 0,2-0,5% 1 =  136.000-340.000 Betroffene
  • Schätzung alle axialen Spondyloarthritiden: 0,8% = 550.000 Betroffene5

Häufigkeit erhöht bei:

  • männlichem Geschlecht, familiärer Häufung12

Krankheitsbeginn:

  • meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr12

 

3. Psoriasis-Arthritis

Häufigkeit:

  • 0,05-0,3%, im Mittel 0,2%5,11,13 = 140.000 Betroffene                                                                           
  • Neuerkrankungen an Psoriasisarthritis ca. 6/100.000 pro Jahr14

Häufigkeit erhöht bei:

  • Bestehen einer Schuppenflechte der Haut: Knapp 10% der Personen mit Psoriasis erkranken zusätzlich an einer Psoriasis-Arthritis14

 

4. Kollagenosen und Vaskulitiden 
(entzündliche Erkrankung des Bindegewebes oder Blutgefäße)

Hierzu gehören u.a:

4.1 Systemischer Lupus Erythematodes (SLE)

Häufigkeit:

  • 25-68/100.000 in der europäischen Bevölkerung, im Mittel etwa 30/100.00015
  • Neuerkrankungen in Nordeuropa: 3-5/100.000 pro Jahr15, 16

Häufigkeit erhöht bei:

  • weiblichem Geschlecht, rauchen7. Frauen sind rund zehnmal häufiger betroffen als Männer7,15

 

4.2 Polymyalgia rheumatica und Riesenzellarteriitis

Häufigkeit:

  • im Alter ab 50 Jahren etwa 60/100.00015
  • Neuerkrankungen ca. 13-50/100.000 in Europa17

Häufigkeit erhöht bei:

  • Frauen (70/100.000) gegenüber Männern (45/100.000)15

 

4.3 Systemische Sklerodermie

Häufigkeit:

  • 12 bis 30 / 100.000 Erwachsene7, 16, 18 = bis zu 20.000 Betroffene
  • Neuerkrankungen p.a. ca. 2 je 100.0007,16, 18   

Häufigkeit erhöht bei:

  • Frauen (Relation Frauen : Männer 4-6:1)16

 

4.4 Vaskulitiden

Vaskulitiden sind entzündliche Gefäßerkrankungen, die etwa 15-20 unterschiedliche Krankheitsbilder umfassen17. Man unterscheidet sie danach, ob sie große, mittlere oder kleine Gefäße betreffen. Sie können entweder primär oder als Folge anderer entzündlich-rheumatischer Krankheiten auftreten. Die einzelnen Krankheitsbilder sind selten, so beträgt z.B. die Häufigkeit der Granulomatosis mit Polyangiitis (früher Wegener's Granulomatose) 2,4-15,7/100.000 Erwachsene19

Häufigkeit erhöht bei Frauen (ca. zweimal häufiger als bei Männern)1

 

Gesamtgruppe der Kollagenosen und Vaskulitiden:

Häufigkeit:

  • ca. 0,2-0,3% der erwachsenen Bevölkerung = 136.000 - 210.000 Betroffene1,5

 

5. Juvenile idiopathische Arthritis 
(entzündlich-rheumatische Erkrankungen im Kindes- und  Jugendalter)

Häufigkeit:

  • 0,1% der unter 18-jährigen = 13.0003, 20
  • 10/100.000 Neuerkrankungen (unter 16jährige) p.a. = ca. 1.200

Häufigkeit erhöht bei:

  • bestimmten immungenetischen Faktoren

 

6. Arthrosen

Arthrosen sind die häufigsten chronischen Gelenkerkrankungen und gehören zu den wichtigsten Ursachen von körperlicher Behinderung bei Älteren. Man kann Arthrosen aufgrund von Röntgenbefunden, klinischen Symptomen oder beidem definieren. Dementsprechend schwanken auch die Angaben zur Häufigkeit erheblich. Neben degenerativen sind vor allem entzündliche Prozesse (auch als Aktivierung bezeichnet) für die Schmerzen, Gelenkzerstörung und andere Krankheitsfolgen von Bedeutung.

Häufigkeit:                   

  • Die Häufigkeit selbst berichteter Arthrose mit Beschwerden innerhalb der letzten 12 Monate betrug 2010 in Deutschland bei Frauen etwa 24%, bei Männern etwa 14%21
  • Ab dem 60. Lebensjahr sind gut die Hälfte der Frauen und ein Drittel der Männer betroffen22.

 

Häufigkeit von röntgenologisch gesicherter, klinisch symptomatischer Arthrose:

Hüftgelenke:

  • ca. 4% in der Altersgruppe ab 55, Kniegelenke: ca. 7% in der Altersgruppe ab 55, Hände/nicht spezifiziert: ca. 2% über alle Altersgruppen2

Häufigkeit erhöht bei:

  • Frauen, höherem Alter, Übergewicht7
  • Krankheitsbeginn oftmals um das 50. bis 60. Lebensjahr, Inzidenz danach stark ansteigend

 

Nach der Global Burden of Disease Study23 beträgt in der europäischen Bevölkerung ab 60 Jahren die Häufigkeit der Hüftarthrosen bei Männern 5-10%, bei Frauen 5-15%, diejenige der Kniearthrosen bei Männern 10%, bei Frauen 15%. Dies wären in Deutschland bei 22 Mio. Personen ab 60 Jahren und einer Annahme von jeweils 10% für Hüft- und Kniearthrosen jeweils 2,2 Mio. Betroffene im Alter ab 60 Jahren.

In derselben Studie wurde weltweit eine Häufigkeit der symptomatischen, radiologisch gesicherten Kniearthrose im Jahr 2010 bei Frauen von 4,8%, bei Männern von 2,8% festgestellt. Bei der Hüftarthrose waren es 1% bei Frauen und 0,7% bei Männern23. Dies entspräche etwa 4 Mio. Betroffenen in Deutschland, wobei hier nicht berücksichtigt ist, dass Knie- und Hüftarthrosen bei denselben Personen vorkommen können (dies verringert die Zahlen) und dass Arthrosen anderer Lokalisationen (v.a. der Hände) nicht berechnet wurden (dies erhöht die Zahlen). Die angenommenen 5 Mio. Betroffenen in Deutschland sind daher eine "informierte Schätzung"5.

 

7. Kristallarthropathien

Kristallarthropathien sind akute / chronische Krankheiten mit Ablagerung von Kristallen infolge von Stoffwechselerkrankungen; die Kristallablagerungen verursachen lokale Entzündungen und andere Störungen mit schmerzhaften Schwellungen und Funktionseinschränkungen.

Häufigkeit:

  • Gicht etwa 1,4%24, 25, ca. 950.000 Betroffene in Deutschland5
  • Chondrokalzinose etwa 8% der >60-Jährigen1

Häufigkeit erhöht:

  • Gicht: bei Männern bzw. Östrogenmangel, weitere Risikofaktoren: Alkoholkonsum, purinreiche Ernährung, metabolisches Syndrom7
  • Chondrokalzinose: bei Frauen und familiärer Häufung1

 

8. Osteoporose

Systemische Skeletterkrankung, bei der es durch eine kritische Verminderung der Knochenmasse und Störung der knöchernen Mikroarchitektur zu einer verminderten Bruchfestigkeit des Knochens und damit zu einem erhöhten Frakturrisiko kommt.

Häufigkeit:

  • Deutsche Zahlen: 24% bei Frauen, 6% bei Männern über 50 Jahre = 6,3 Mio. Betroffene in Deutschland. Zahl der Neuerkrankungen ca. 885.000/Jahr26
  • Internationale Zahlen: Nur Osteoporose der Hüftgelenke: 22,5% der Frauen und 5,8% der Männer ab 45 Jahren7  

Häufigkeit erhöht bei:

  • höherem Alter, weiblichem Geschlecht, Rauchen, niedrigem Gewicht, entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, endokrinologischen Erkrankungen, Einnahme von Glukokortikoiden7
  • Etwa 20% der Patienten mit rheumatoider Arthritis entwickeln eine Osteoporose.
  • Krankheitsbeginn häufig bei Frauen nach Beginn der Menopause.

 

9. Fibromyalgie

Chronische Ganzkörperschmerzen im muskuloskelettalen Bereich. Die Beschwerden sind häufig kombiniert mit Schlafstörungen, Müdigkeit, Depressivität, Ängstlichkeit und Einschränkungen der kognitiven Funktionen.

Häufigkeit:

  • ca. 3,5% der Bevölkerung27

Häufigkeit erhöht bei:

  • weiblichem Geschlecht, Vorhandensein anderer entzündlich-rheumatischer sowie weiterer chronischer Erkrankungen27

 

 

1. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie, Kommission Versorgung (2008). Memorandum Rheumatologische Versorgung von akut und chronisch Rheumakranken in Deutschland. www.dgrh.de

 

2. Musculoskeletal Health in Europe. Report v5.0. http://www.eumusc.net/workpackages_wp4.cfm; last access: 28.07.2015

 

3. Minden K. Rheumatische Gelenkerkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Z Rheumatol 2012:71:403-16.

 

4. Crowson CS, Matteson EL, Myasoedova E et al. The lifetime risk of adult-onset rheumatoid arthritis and other inflammatory autoimmune rheumatic diseases. Arthritis Rheum. 2011;63:633-9.

 

5. Zink A, Albrecht K. Wie häufig sind muskuloskelettale Erkrankungen in Deutschland? Z Rheumatol 2016;75:346-353

 

6. Burmester G-R, Pratt AG, Scherer HU, van Laar JM. Rheumatoid arthritis: Pathogenesis and clinical features. In: Bijlsma JWJ (ed.) EULAR textbook on rheumatic diseases. London (BMJ Group) 2012, S. 206-231

 

7. Symmons D. Epidemiology and the rheumatic diseases. In: Watts RA, Conaghan PG, Denton C, Foster H, Isaacs J, Müller-Ladner U (Hrsg.): Oxford Textbook of Rheumatology (4 ed.), Chapter 27. Oxford (Oxford University Press) 2013

 

8. Liao KP, Karlson EW. Classification and epidemiology of rheumatoid arthritis. In: Hochberg MC, Silman AJ, Smolen JS, Weinblatt ME, Weisman MH (Hrsg.) Rheumatology (6th edition), Philadelphia (Elsevier) 2015, Chapter 83, p. 691-697

 

9. Wasmus A, Kindel P, Mattussek, Raspe HH. Activity and severity of rheumatoid arthritis in Hannover/FRG and in one regional referral center. Scand J Rheumatol 1989; Suppl. 79: 33-44

 

10. Rudwaleit M. Classification and epidemiology of spondyloarthritis. In: Hochberg MC, Silman AJ, Smolen JS, Weinblatt ME, Weisman MH (Hrsg.) Rheumatology (6th edition), Philadelphia (Elsevier) 2015, Chapter 113, p. 941-945

 

11. Bakland G, Nossent HC. Epidemiology of spondyloarthritis: A review. Curr Rheumatol Rep 2013;15:351

 

12. Sieper J. Axial spondyloarthropathies. In: Watts RA, Conaghan PG, Denton C, Foster H, Isaacs J, Müller-Ladner U (Hrsg.): Oxford Textbook of Rheumatology (4 ed.), Chapter 113. Oxford (Oxford University Press) 2013

 

13. Alamanos Y, Voulgari PV, Drosos AA. Incidence and prevalence of psoriatic arthritis: a systematic review. J Rheumatol 2008;35(7):1354–1358.

 

14. Coates LC, Helliwell PS. Psoriatic arthritis. In: Watts RA, Conaghan PG, Denton C, Foster H, Isaacs J, Müller-Ladner U (Hrsg.): Oxford Textbook of Rheumatology (4 ed.), Chapter 114. Oxford (Oxford University Press) 2013

 

15. Dasgupta B, Raine C. Polymyalgia rheumatica. In: Watts RA, Conaghan PG, Denton C, Foster H, Isaacs J, Müller-Ladner U (Hrsg.): Oxford Textbook of Rheumatology (4 ed.), Chapter 134. Oxford (Oxford University Press) 2013

 

16. Simard JF, Costenbader KH. Epidemiology and classification of systemic lupus erythematodes. In: Hochberg MC, Silman AJ, Smolen JS, Weinblatt ME, Weisman MH (Hrsg.) Rheumatology (6th edition), Philadelphia (Elsevier) 2015, Chapter 124, p. 1021-1025

 

17. Luqmani R, Pagnoux C. ANCA-associated vasculitides ans polyarteriitis nodosa. In: Bijlsma JWJ (ed.) EULAR textbook on rheumatic diseases. London (BMJ Group) 2012, S. 637-664

 

18. Prevalence and incidence of systemic sclerosis in southern Sweden: population-based data with case ascertainment using the 1980 ARA criteria and the proposed ACR-EULAR classification criteria. Andréasson K, Saxne T, Bergknut C, Hesselstrand R, Englund M. Ann Rheum Dis. 2014;73(10):1788-92

 

19. McBeth J, Jones K. Epidemiology of chronic musculoskeletal pain. Best Pract Res Clin Rheumatol 2007; 21:403-425

 

20. Minden K. Classification and epidemiology of juvewnile idiopathic arthritis. In: Hochberg MC, Silman AJ, Smolen JS, Weinblatt ME, Weisman MH (Hrsg.) Rheumatology (6th edition), Philadelphia (Elsevier) 2015, Chapter 100, p. 826-832

 

21. Zink A, Minden K, List S. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Robert Koch-Institut in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt. Heft 49, 2010, Berlin

 

22. Rabenberg M. Arthrose. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Robert Koch-Institut. Heft 54, 2013 Berlin

 

23. Cross M et al., Global burden of disease study. Ann Rheum Dis 2014;73:1323-30

 

24. Annemans L, Spaepen E, Gaskin M et al. Gout in the UK and Germany: prevalence, comorbidities and management in general practice 2000-2005. Ann Rheum Dis. 2008 Jul;67(7):960-6.

 

25. Choi HK. Epidemiology of gout. In: Hochberg MC, Silman AJ, Smolen JS, Weinblatt ME, Weisman MH (Hrsg.) Rheumatology (6th edition), Philadelphia (Elsevier) 2015, Chapter 186, p. 1549-1555

 

26. Gothe H et al. Epidemiologie der Osteoporose: Bone Evaluation Study – Eine Analyse von Krankenkassen Routinedaten. Dtsch. Ärzteblatt 2013;110(4):52-57

 

27. Eich W, Häuser W, Arnold B et al. Das Fibromyalgiesyndrom. Definition, Klassifikation, klinische Diagnose und Prognose. Schmerz 2012;26(3):247-58.

 

Ihr Pressekontakt

Anna Julia Voormann

Generalsekretärin

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

Geschäftsstelle der DGRh

Wilhelmine-Gemberg-Weg 6, Aufgang C

10179 Berlin

Memorandum der DGRh Update 2016

Mehr zum Thema im aktuellen Memorandum der DGRh zur Versorgungsqualität in der Rheumatologie.