Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie zur Anwendung von Vitamin E bei rheumatischen Erkrankungen:
Kommission Pharmakotherapie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie
letzte Änderung: 23.09.2003 11:05:00
Dem Vitamin E, auch als a -Tocopherol bezeichnet, wird ein Einfluss auf die Aktivität verschiedener Enzyme zugeschrieben. In Laboruntersuchungen konnten Effekte von Vitamin E auf entzündungsvermittelnde Botenstoffe im Blut gefunden werden. Diese Ergebnisse aus Tierversuchen oder Untersuchungen im Reagenzglas sind auf den Menschen jedoch nicht unmittelbar übertragbar, so dass sich eine Aussage zur klinischen Wirksamkeit hieraus keinesfalls ableiten läßt.
Entsprechend der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt für den gesunden Erwachsenen die wünschenswerte tägliche Zufuhrmenge an Vitamin E bei 12 mg a -Tocopherol. In der Schwangerschaft und in der Stillzeit besteht ein Mehrbedarf von 2-5 mg pro Tag. Eine Mangelsituation an Vitamin E tritt bei Aufnahme einer ausgewogenen Mischkost nicht auf.
Bei rheumatischen Erkrankungen soll hochdosiertes Vitamin E (1200 mg täglich) als sogenannter "Radikalfänger" Sauerstoffradikale unschädlich machen. Sauerstoffradikale sollen bei der rheumatischen Entzündung vermehrt gebildet werden, sollen eine Gewebsschädigung verursachen und die Entzündung dadurch verstärken. Ob diese Mechanismen bei der rheumatischen Entzündung eine große Rolle spielen, ist unklar.
Untersuchungen zur Anwendung bei rheumatischen Erkrankungen befassen sich mit der Behandlung der aktivierten Arthrose, der chronischen Polyarthritis (rheumatoiden Arthritis) und der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew). Diese Studien weisen erhebliche methodische Mängel auf und genügen heutigen Anforderungen an die Prüfung eines Arzneimittels nicht: im allgemeinen ist die Patientenzahl zu klein, die Behandlungsdauer zu kurz, häufig wird das Medikament während einer stationären Behandlung gegeben, die ohnehin zu einer Besserung der Erkrankung führt u.s.w. Eine Überlegenheit von Vitamin E gegenüber einem Scheinmedikament (Placebo) konnte bisher nicht dokumentiert werden. Untersuchungen zur Unbedenklichkeit einer Langzeitanwendung fehlen bisher.
Zusammenfassend sind die bis heute vorliegenden Studien nicht geeignet die klinische Wirksamkeit von Vitamin E bei rheumatischen Erkrankungen zu belegen. Die Kommissionen Öffentlichkeitsarbeit und Pharmakotherapie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie können deshalb die Vitamin E - Gabe bei diesen Erkrankungen nicht empfehlen.