Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie zur Anwendung von Thymuspräparaten bei rheumatischen Erkrankungen:
Kommission Pharmakotherapie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie
letzte Änderung: 23.09.2003 11:02:00
Thymus-Präparate befinden sich in unterschiedlichen Zubereitungen mit einer breitgestreuten Palette von Anwendungsgebieten auf dem Arzneimittelmarkt. Es handelt sich dabei um Thymus-Extrakte oder sog. Thymus-Peptide (bestimmte Eiweißbausteine), die aus Thymusdrüsen vom Kalb, Rind, Rinderfetus, Schaffetus, Schwein oder Ziege gewonnen werden. Therapeutisch eingesetzt werden auch gentechnisch oder synthetisch hergestellte Thymus-Peptide.
Thymus-Präparate werden im allgemeinen als Spritze gegeben. Bei oraler Einnahme ist die Aufnahme in den Blutkreislauf unsicher, da die Substanzen im Magen/Darmkanal teilweise abgebaut werden.
Thymuspräparaten wird eine stimulierende Wirkung auf das Immunsystem zugeschrieben. In Tierversuchen und bei Laboruntersuchungen werden die bei Immunreaktionen bedeutsamen Lymphozyten beeinflußt. Rückschlüsse auf eine Wirksamkeit beim Menschen lassen sich daraus jedoch nicht ziehen. Wie bei allen anderen Medikamenten müssen Wirkungen am Patienten jeweils in klinischen Untersuchungen nachgewiesen werden. Da sich Thymus-Präparate untereinander stark unterscheiden, müßten Wirksamkeitsnachweise für alle Präparate jeweils getrennt geführt werden.
Bisher gibt es nur wenige Untersuchungen über die Anwendung von Thymus-Präparaten bei rheumatischen Erkrankungen. Diese Studien können jedoch die behauptete Wirksamkeit nicht belegen. Darüber hinaus weisen sie erhebliche methodische Mängel auf: die Patientenzahl ist meist zu klein, die Beobachtungsdauer zu kurz, die Dokumentation ungenügend, Kontrollgruppen, die mit einem Scheinpräparat behandelt wurden, fehlen weitestgehend.
Ferner gibt es zahlreiche dokumentierte Nebenwirkungen in Form von Immunreaktionen aller Schweregrade, von Hautrötung und Schwellung an der Einstichstelle bis zum Vollbild eines lebensbedrohlichen allergiebedingten Schocks. Die Anwendung von Thymuspräparaten ist somit mit einem erheblichen Risiko belastet.
Die Kommissionen Pharmakotherapie und Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und das Bundesgesundheitsamt (Aufbereitungskommission Rheumatologie) haben die bisher vorliegenden Veröffentlichungen zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen mit Thymuspräparaten geprüft und raten wegen des fehlenden Wirksamkeitsnachweises und des Nebenwirkungsrisikos von ihrer Anwendung ab.