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Schwangerschaft und rheumatische Erkrankungen
PD Dr. Rebecca Fischer-Betz, Universität Düsseldorf

 

 

Patienteninformation vom 01.07.2008

 

von Dr. Rebecca Fischer-Betz, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

 

 

Die meisten Patientinnen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen können sich heute ihren Kinderwunsch erfüllen. Für viele der betroffenen Frauen stellt sich dennoch die Frage, ob Risiken für das Kind bestehen und welchen Einfluss eine Schwangerschaft auf ihre Erkrankung hat. Zudem besteht bei einem Teil der Frauen das Problem, dass möglicherweise auch in der Schwangerschaft eine Therapie notwendig ist. Viele Medikamente dürfen aber in der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden.

 

Generell gilt, dass eine Frau mit entzündlich rheumatischer Erkrankung eine Schwangerschaft möglichst zu einem Zeitpunkt mit geringer oder medikamentös gut kontrollierter Krankheitsaktivität planen sollte. Fragen zur Therapie und zur Verlaufskontrolle während und nach der Schwangerschaft sollten schon vor dem Eintritt der Schwangerschaft geklärt sein. Generell muss vor dem Start einer „Basistherapie“ abgeklärt werden, ob ein Kinderwunsch besteht. Die Kontrolle der Krankheit und Überwachung der Schwangerschaft sollte durch erfahrene Spezialisten erfolgen.

 

Schwangerschaft bei verschiedenen rheumatischen Erkrankungen:

  • Rheumatoide Arthritis und Schwangerschaft, mehr
  • Spondyloarthropathien (Morbus Bechterew) und Schwangerschaft, mehr
  • Systemischer Lupus erythematodes und Schwangerschaft, mehr
  • Antiphospholipid-Syndrom und Schwangerschaft, mehr

 

 

Medikamente in der Schwangerschaft

 

In der Schwangerschaft gilt allgemein die Regel, dass möglichst auf den Einsatz von Medikamenten verzichtet werden sollte bzw. jedes Medikament den individuellen Bedürfnissen angepasst werden sollte - "so wenig wie möglich und so viel nötig". Ärzte müssen in den für Mutter und Kind kritischen Phasen Nutzen und Risiken von Arzneimitteln besonders sorgsam abwägen. Ein Teil der Rheuma-Patientinnen benötigt auch keine spezielle Therapie. Auf der anderen Seite kann ein Absetzen zu einer Verschlechterung der rheumatischen Erkrankung führen.

 

Für die meisten Medikamente, die bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eingesetzt werden, fehlen aussagekräftige Studien in der Schwangerschaft. Die Verträglichkeit von Medikamenten während der Schwangerschaft und Stillzeit stützt sich im Wesentlichen auf experimentelle Daten und Tierversuche und auf kleinere Serien beim Menschen. Manche Medikamente können die Fruchtbarkeit beeinflussen, manche stellen in der Schwangerschaft ein Risiko für Mutter und/oder Kind dar.

 

Special: Biologika und Schwangerschaft

 

Erste Ergebnisse aus RABBIT, dem deutschen Studienregister für Biologika, ergeben keine eindeutigen Problemstellungen bei Rheuma-Patientinnen, die vor oder am Anfang der Schwangerschaft Biologika genommen haben, mehr

 

Verschiedene Medikamente in der Schwangerschaft:

 

 

Planung einer Schwangerschaft

 

Wenn ein Kinderwunsch besteht, sollte dies mit dem behandelnden Rheumatologen und dem Gynäkologen besprochen werden, damit die Schwangerschaft unter Berücksichtigung der Art, der Aktivität und Schwere der Erkrankung und im Hinblick auf die Therapie geplant werden kann.

 

Während der Schwangerschaft sollte neben den üblichen gynäkologischen Untersuchungen auch regelmäßig eine rheumatologische Kontrolle erfolgen. Bei der rheumatoiden Arthritis wird eine Basistherapie bei Kinderwunsch oft abgesetzt, da erwartet werden kann, dass diese Erkrankung sich in der Schwangerschaft bei den meisten Frauen stabilisiert.

 

Bei Kollagenosen muss bei inaktiver Erkrankung und Fehlen einer schweren Organbeteiligung (beispielsweise der Nieren) auch in der Schwangerschaft keine Therapie eingeleitet werden. Bei vorbestehender Therapie wird diese auf ihre Notwendigkeit hin überprüft und nach Möglichkeit reduziert, umgestellt oder abgesetzt. Falls die Krankheitsaktivität es erfordert, kann eine Schwangerschaft eventuell auch unter einer Therapie geplant werden.

 

Nach Änderung einer Therapie sollte vor der Konzeption mindestens drei Monate abgewartet werden, da man in dieser Zeit mögliche Aktivierungen erkennen und auf sie reagieren kann. Kommt es in der Schwangerschaft zum Schub, wird man zunächst mit einem Steroidstoß behandeln. Meist ist dies ausreichend bei Fieber, Gelenkschmerzen und Hautveränderungen.

 

Bei einer schweren Krankheitsaktivität und insbesondere bei einer aktiven Nierenbeteiligung oder einer ZNS-Beteiligung sollte auf eine Schwangerschaft wegen der Risiken für Mutter und Kind aber verzichtet und diese eventuell zu einem günstigeren Zeitpunkt geplant werden.

 

 

 

Vorgehen bei ungeplanter Schwangerschaft

 

Nicht selten kommt es bei Rheuma-Patientinnen zu ungeplanten Schwangerschaften unter der Behandlung mit möglicherweise fruchtschädigenden Medikamenten. Es empfiehlt sich dann folgendes Vorgehen, um einen unnötigen und von der Patientin nicht gewollten Schwangerschaftsabbruch zu vermeiden.

 

Es sollte genau erhoben werden, zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft ein Medikament eingenommen wurde:

 

Weitere Maßnahmen sind eine Chorionzottenbiopsie zum Ausschluss von Chromosomenstörungen und die Ultraschalluntersuchung des Fetus zwischen der 11. und 12. Schwangerschaftswoche und erneut um die 17. Woche zum Ausschluss von Organmissbildungen. Falls alle diese Untersuchungen einen normalen Fetus zeigen, liegt sehr wahrscheinlich keine ernsthafte Fruchtschädigung vor.

Interne Links

Der Rheuma-Wegweiser

 

RABBIT Studienergebnisse

 

Schwangerschaft und Biologika, mehr

Spezialsprechstunde

 

für Rheuma-Patientinnen mit Kinderwunsch, mehr

Externe Links

Embryotox

 

Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit, mehr