F. Balck (Hrsg.) Anwendungsfelder der Medizinischen Psychologie Heidelberg: Springer-Verlag 2005, 1., 216 S., (ISBN 3-540-24845-5), 29.95 EUR
Das unlängst im Springer- Verlag erschienene Buch „Anwendungsfelder der Medizinischen Psychologie“, herausgegeben von dem Dresdner Medizinpsychologen Friedrich Balck, informiert auf mehr als 200 Seiten über viele Anwendungsfelder der Medizinischen Psychologie. Die Medizinische Psychologie versteht sich als Vermittler psychologischen Wissens an die Medizin. Die Inhalte dieses Buches illustrieren sehr eindrucksvoll, wie inhaltlich breit angelegt dieses Fachgebiet heute ist und welche vielfältigen und hochrelevanten Verzahnungen und Bezüge zu nahezu allen somatisch-medizinischen Disziplinen bestehen. Medizinische Psychologie wurde bislang oft vor allem als Lehrfach in der Medizinerausbildung gesehen. In diesem Buch wird die sehr wichtige Seite der praktischen Anwendung psychologischen Wissens im ärztlichen Alltag erstmals umfassend (und zumeist nach Fachgebieten gegliedert) dargestellt. Die Themen des Bandes umfassen u. a.: Interozeptionsforschung, Intensivmedizin, Psychokardiologie, Psychoonkologie, Transplantationspsychologie, psychosomatische Dermatologie, Psychologie in der Zahnmedizin, Psychotraumatologie, ärztliche Gesprächsführung und Umgang mit Sterben, Tod und Trauern. Neben diesen „klassischen“ Themengebieten der Medizinischen Psychologie finden sich auch Beiträge, die sich mit den neuesten Entwicklungen und Strömungen auseinandersetzen, etwa zur Telemedizin, zu chronisch kranken Kindern und Jugendlichen oder zu Neuroprothesen bei neurologischen Erkrankungen. Die meisten der Autorinnen und Autoren der einzelnen Kapitel darf man als die führenden Fachvertreter der Medizinischen Psychologie in Deutschland bezeichnen. Sehr hervorzuheben ist, dass die meisten der Beitragenden es verstanden haben, ihr Spezialgebiet umfassend und in seinen
theoretischen Hintergründen dem Stand der Wissenschaft entsprechend zu beleuchten, und dabei gleichzeitig die Anwendungsorientierung anhand zahlreicher Beispiele, Interventions- oder Präventionsansätze usw. darzustellen. Das Buch trägt seinen Namen „Anwendungsfelder“ daher zu Recht. Schade ist, dass einige für die Medizinische Psychologie sehr zentrale Themen wie die Lebensqualitätsforschung oder die Psychoneurobiologie nicht vertreten sind. Ebenfalls vermisst man die (zum Teil neu im Gegenstandskatalog verankerten) Anwendungsfelder Humangenetische Beratung, Reproduktionsmedizin und Sexualmedizin. Wenig von Nutzen ist das Sachverzeichnis des Buches, das mit Stichworten wie „Modifikation der Risikofaktoren koronarer Herzkrankheiten“ aufwartet. Und leider kommt auch ein insgesamt sehr hochwertig anmutendes und liebevoll editiertes Buch nicht ohne den einen oder anderen Tippfehler aus. Interessenten sind zum einen Medizinstudierende, die mehr über bestimmte Anwendungsgebiete erfahren wollen, als es in der Standardausbildung vorgesehen ist, zum anderen natürlich Medizinpsychologen (und auch Medizinsoziologen), die in Forschung, Lehre und Praxis tätig sind. Die Breite der behandelten Themen und die gleichzeitig umfassenden, lesenswerten und anwendungsorientierten Beiträge machen „Anwendungsfelder der medizinischen Psychologie“ aber auch für praktisch tätige Mediziner mit Interesse an psychosozialen Fragestellungen, ebenso wie für psychologische oder ärztliche Psychotherapeuten interessant, die sich mit den psychischen Folgen körperlicher Erkrankungen auseinander setzen möchten.
E. Brähler (Leipzig)