Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.
Titel: Radiosynoviorthese drucken  Seite drucken
Subtitel: schliessen  Fenster schliessen

5 Medikamentöse Therapie

 

 

5.6 Radiosynoviorthese

 

 

von W. Vorbrüggen, E. Genth

 

 

Die intraartikuläre Injektion von b-strahlenden Radionukliden (Radiosynoviorthese, RSO) mit 90-Yttrium, 186-Rhenium oder 169-Erbium ist ein lokales antientzündliches Therapieverfahren. Ziel der Behandlung ist eine Minderung der Intensität und Rezidivhäufigkeit der Synovialitis.

 

Die Radiosynoviorthese wird oft in Kombination mit kristallinen Glukokortikosteroiden angewendet.

 

Es besteht ein Mangel an randomisierten, kontrollierten Studien mit standardisierten Untersuchungsmethoden und Outcomes.

 

 

Indikationen

 

Indikationen für die Radiosynoviorthese mittlerer und größerer Gelenke mit 186-Rhenium und 90-Yttrium sind chronische Synovialitiden bei

  • rheumatoider Arthritis,

  • Spondyloarthritis,

  • pigmentierter villonodulärer Synovialitis (nach erfolgter Operation),

  • Hämophilie mit Arthropathie (zur Blutungsprophylaxe).

 

 

Zur Radiossynoviorthese kleiner Gelenke (MCP-, PIP, DIP- und MTP-Gelenke) mit rezidivierenden Gelenkergüssen wird 169-Erbium verwendet bei

  • rheumatoider Arthritis,

  • seronegativer Polyarthritis.

 

 

Die Radiosynoviorthese soll dann eingesetzt werden, wenn eine vorausgegangene 3- bis 6-monatige systemische medikamentöse Therapie und intraartikuläre Glukokortikoidinjektionen zu keiner ausreichenden Besserung geführt haben.

 

Nach vorausgegangener Synovektomie (insbesondere bei villonodulärer Synovitis) verbessert die nachfolgende Radiosynoviorthese das Behandlungsergebnis.

 

Der Stellenwert der RSO bei aktivierten Arthrosen ist nicht ausreichend geklärt und wird unterschiedlich bewertet.

 

 

Kontraindikationen

 

Als Kontraindikationen für Radiosynoviorthesen gelten Schwangerschaft und Laktation. Bei massivem Hämarthros, Frakturen der Gelenke, rupturierter Poplitealzyste oder rupturierter Rotatorenmanchette sowie bei fortgeschrittenen entzündlichen Gelenkdestruktionen sollte die RSO nicht durchgeführt werden wegen der Gefahr des unkontrollierten Abstroms des Radionuklids. Die Gelenkinjektion sollte bei Infektion an der Injektionsstelle nicht durchgeführt werden. Relative Kontraindikation für die Radiosynoviorthese ist jugendliches Lebensalter der Patienten.

 

 

Durchführung

 

Nach Punktion des Gelenks entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie und Sicherung der intraartikulären Lage der Punktionskanüle wird das Radionuklid injiziert und anschließend zur Vermeidung von Stichkanalnekrosen eine 0,9ige Kochsalzlösung oder ein Glukokortikoidpräparat injiziert. Nach anschließender passiver Bewegung des Gelenks zur Verteilung des Radionuklids werden die behandelten Gelenke für 48 Stunden ruhig gestellt, um die Wirkung der Radionuklide zu erhöhen und die Rate möglicher Nebenwirkungen zu senken. Zur Therapie großer Gelenke (Hüften, Knie) eignen sich Radionuklide mit größerer Reichweite (90 Yttrium), mittelgroße Gelenke (Schultern, Ellbogen, Sprunggelenke) werden vorwiegend mit 186-Rhenium behandelt, kleine Gelenke mit 169-Erbium (www.eanm.org).

 

 

Erfolgsaussichten

 

In Abhängigkeit vom behandelten Gelenk, der Grunderkrankung und der Vorschädigung des Gelenks weist die Synoviorthese in ca. 50–80% der Fälle gute bis sehr gute Langzeiteffekte im Hinblick auf Schmerzreduktion und antientzündliche Wirkung auf, die häufig bis zu mehreren Jahren anhalten. Einzelne Studien zeigen einen Rückgang der synovitischen Veränderungen im MRT, mit der Sonografie und der Skelettszintigrafie, eine verminderte Destruktion im Röntgenbild. Dies gilt in erster Linie für die rheumatoide Arthritis. Wiederholungsbehandlungen werden frühestens nach 3 Monaten empfohlen, wenn die erste RSO eine Besserung zeigte.

 

 

Literatur

  1. Bernau A, Heeg P (2003) Intraarticular punctures and injections: indications – prevention of infection – technique – complications. Orthopade 32:548–569

  2. Fischer M, Modder G (2002) Radionuclide therapy of inflammatory joint diseases. Nucl Med Commun 23:829–831

  3. Kampen WU, Voth M, Pinkert J, Krause A (2007) Therapeutic status of radiosynoviorthesis of the knee with yttrium [90Y] colloid in rheumatoid arthritis and related indications. Rheumatology (Oxford) 46:16–24

  4. Kerschbaumer F, Kandziora F, Herresthal J, Hertel A, Hor G (1998) Combined arthroscopic and radiation synovectomy in rheumatoid arthritis. Orthopade 27: 188–196

  5. Kresnik E, Mikosch P, Gallowitsch HJ, Jesenko R, Just H, Kogler D, Gasser J, Heinisch M, Unterweger O, Kumnig G, Gomez I, Lind P (2002) Clinical outcome of radiosynoviorthesis: a meta-analysis including 2190 treated joints. Nucl Med Commun 23:683–688

  6. Rau R, Schütte H (1983) Ergebnisse der Radiosynoviorthese mit Yttrium 90 bei chronischen Synovitiden – Eine prospektive Langzeituntersuchung. Teil 1: Gesamtergebnis und Einfluß lokaler Faktoren. Z Rheumatol 42:265–270

  7. Seidel W (2006) Radiosynoviorthesis. Z Rheumatol 65:239–244

  8. van der Zant FM, Jahangier ZN, Moolenburgh JD, Swen WA, Boer RO, Jacobs JW (2006) Clinical effect of radiation synovectomy of the upper extremity joints: a randomised, double-blind, placebo-controlled study. Eur J Nucl Med Mol Imaging

www.eanm.org