3.28 Chondrokalzinose
von W. Keitel
(ICD-Nr. M 11.2)
Synonyma. Kalziumpyrophosphatdihydrat-(CPPD-)Kristallarthropathie, Pseudogicht, Pyrophosphatarthropathie
Definition
Der Begriff der Chondrokalzinose beschreibt Verkalkungen des Gelenkknorpels, die mit bildgebenden Verfahren nachweisbar sind. Die Kalziumpyrophosphatdihydratkristallarthropathie umfasst alle klinischen Manifestationen, die mit der intraartikulären Kristallablagerung verbunden sind.
Das Krankheitsbild tritt in 3 Formen auf:
Die klinische Symptomatik ist sehr variabel, die wichtigsten Formen sind in der Tabelle 1 dargestellt.
Tabelle 1. Verlaufsformen und Häufigkeiten der artikulären Chondrokalzinose
Verlaufsform | Häufigkeit (%) | Klinik |
Pseudoarthrose | 50 | Wie Gonarthrose oder Arthrose anderer |
Pseudogicht | 25 | Akute o. subakute Mon- bzw. Oligoarthritis; |
Asymptomatisch | 20 | Röntgenologischer Zufallsbefund in |
Pseudorheumatoidarthritis | 5 | Akute oder chronische Polyarthritis mit |
Pseudoneuropathie | < 1 | Schnelle Destruktion großer Knochenpartien |
Pseudoseptikämie | < 1 | Verlauf mit Fieber und Leukozytose |
Pseudomeningitis | < 1 | Nackensteife, Fieber, akutes Zervikalsyndrom |
Pseudospondylodiszitis | < 1 | Bei Lokalisation in anderen Wirbelsäulen- |
Diagnose
Sie wird röntgenologisch oder über den Kristallbefund gestellt. Laborparameter besitzen keinen diagnostischen Wert, ggf. sind die als Primärerkrankungen bekannten Störungen auszuschließen.
Röntgenbild
Der röntgenologische Nachweis von Knorpel-, seltener Weichteilverkalkungen ist sehr von den technischen Aufnahmebedingungen abhängig. Er ist im positiven Fall beweisend. Typisch sind lineare und punktierte, „monstranzartige“ Verschattungen parallel zur Knorpeloberfläche in den Knie- und/oder Schultergelenken sowie gröbere schollige oder streifige Ablagerungen im Faserknorpel der Menisken, der Disci articulares, im Anulus fibrosus der Disci intervertebrales sowie in der Synovialmembran, der fibrösen Gelenkkapsel, in Sehnen und Bändern.
Kristallnachweis
Die sichere Identifizierung eines CPPD-Kristalles beweist die Diagnose, dies gelingt aber nicht in jedem Fall. Das wechselnde klinische Bild der Chondrokalzinose nach Gelenkerguss zu fahnden, ihn abzupunktieren, polarisationsoptisch ergibt die Notwendigkeit, bei jeder diagnostisch unklaren Arthropathie auf Kristalle zu untersuchen. Zur Unterscheidung von den Uratkristallen der Gicht siehe Tabelle 2.
Tabelle 2. Differenzierung zwischen Urat- und CPPD-Kristallen
Uratkristalle | CPPD-Kristalle | |
Form | Nadelförmige, spitze oder abgerundete Stäbchen | Rhomben, Stäbchen mit rechteckigen Rändern |
Größe | Meist über 10 µm | Meist unter 5 µm |
Polarisation | Stark negative Doppelbrechung | Schwach positive Doppelbrechung |
Differenzialdiagnose
Die Abgrenzung von der Arthritis urica erfolgt neben dem Kristallbefund durch die längere Anfallsdauer von 3 bis 4 Wochen oder den chronischen Verlauf, den vorwiegenden Befall größerer Gelenke und die nicht so prompte Reaktion auf Colchicin. Im Übrigen sind Arthrosen, die auch sekundär auftreten können [3], die rheumatoide Arthritis und je nach Klinik weitere Arthro- oder Spondylopathien (Spondarthritiden, reaktive, septische, neuropathische Arthritiden, akutes HWS-Syndrom), eine akute Tendinitis calcarea oder andere Kristallarthropathien (Hydroxylapatitkrankheit, Oxalatkristallarthritis) auszuschließen.
Literatur