3.29 Infektiöse Arthritiden
von E. Genth
(ICD-Nr. M 00.0 bis .9)
Definition
Die infektiöse Arthritis ist eine meist akute Entzündung eines oder mehrerer Gelenke, die durch Bakterien im Gelenk ausgelöst wird.
Klassifikation
International validierte Klassifikationskriterien existieren nicht. Die oben angegebene Definition wird allgemein akzeptiert. Eine infektiöse Arthritis liegt vor, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Arthritis eines oder mehrerer Gelenke,
- Nachweis von Bakterien im Gelenk (positive Bakterienkultur oder mikroskopischer Nachweis in der Synovialflüssigkeit).
Bemerkungen:
- Der Verdacht auf eine infektiöse Arthritis ist bei jeder akuten Arthritis bzw. jeder Arthritis bisher unklarer Ätiologie oder Zuordnung gegeben.
- Prädisponierende Faktoren einer infektiösen Arthritis sind Diabetes mellitus, Alkoholkrankheit, intravenöser Drogenabusus, häufige Gelenkinjektionen (Gelenkoperationen), fortgeschrittene rheumatoide Arthritis, insbesondere unter immunsuppressiver Therapie, selten Immundefekte.
- Die infektiöse Arthritis ist in der Regel eine akute Entzündung eines oder mehrerer Gelenke mit Schwellung, Rötung, Überwärmung, Ergussbildung und schmerzhafter Bewegungseinschränkung, häufig begleitet von Fieber und anderen Allgemeinerscheinungen. Akut entzündliche Erscheinungen können bei immunsuppressiv behandelten Patienten fehlen.
- Labormedizinisch finden sich im Blut meist eine Leukozytose mit Linksverschiebung, eine hohe Blutsenkungsgeschwindigkeit und hohe Akute-Phase-Proteine (CrP meist über 100 mg/l).
- Die Synovialflüssigkeit ist eitrig (Zellzahl meist über 50 000 mm3 erhöht; überwiegend segmentkernige Granulozyten), im Grampräparat sind bei ca. 50% der Fälle Bakterien nachweisbar. Die Bakterienkultur sollte zur Vermeidung falsch negativer Ergebnisse so rasch wie möglich angelegt werden (schneller Transport in Transportmedium). Aerobe und anaerobe Kultivierung sind erforderlich.
- Das Erregerspektrum ist altersabhängig. Am häufigsten findet sich Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes (Gruppe B), bei Säuglingen meist Haemophilus influenzae, im früheren Erwachsenenalter nicht selten auch Neisseria gonorrhoeae (oft zweizeitiger Verlauf).
- Röntgendiagnostik, Kernspintomografie oder Szintigrafie sind eventuell zur Beurteilung des Verlaufs (Gelenk- oder Knochendestruktion, Osteomyelitis, Abszedierung) erforderlich.
- Die Differenzialdiagnose der infektiösen Arthritis umfasst alle Mon- oder Oligoarthritiden mit akutem Beginn (akute Kristallsynovitis durch Harnsäurekristalle, Kalziumpyrophosphatdihydratkristalle oder Apatitkristalle, reaktive Arthritis, Psoriasisarthritis, juvenile chronische Arthritis, rheumatoide Arthritis, Trauma u. a.).
Literatur
- Genth E (1989) Infektionsbedingte Arthritiden. Internist 30:664–672
- Hedström SA, Lidgren L (1994) Septic bone and joint lesions. In: Klippel JH, Dieppe PA (eds) Rheumatology. Mosby-Year Book Europe Limited, London, pp 3.1–3.10