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3 Diagnostische Kriterien

 

 

3.2 Rheumatoide Arthritis

 

 

von der Kommission "Qualitätssicherung"

 

 

(ICD-Nr. M 05.0 bis .9, M 06.0)

 

Synonyma. Chronische Polyarthritis, Rheumatoidarthritis.

 

 

Definition

 

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronische, unter Umständen remittierend oder schubweise verlaufende entzündliche, destruierende Gelenkerkrankung (Synovialitis) mit Schwellung, Schmerzen, Tendenz zur Bewegungseinschränkung bis zur Ankylosierung, auch Stabilitätsverlust, Deformierung und Deviationen mehrerer peripherer Gelenke mit entsprechenden Folgezuständen (z. B. Muskelatrophien), oft unter Beteiligung der Sehnenscheiden und der Halswirbelsäule und mit möglichen Manifestationen außerhalb des Bewegungsapparates.

 

 

Tabelle 1. Kriterien zur Klassifikation der RA der American Rheumatism Association (jetzt American College of Rheumatology) in der Revision von 1987

 

Kriterium

Definition

1. Morgensteifheit

Morgensteifheit in und um die Gelenke von mindestens einer Stunde bis zur maximalen Besserung.

2. Arthritis von 3 oder mehr Gelenkregionen

Mindestens 3 Gelenkregionen gleichzeitig mit Weichteilschwellung und Erguss (nicht allein knöcherne Verdickung), Arztbeobachtung. Die 14 möglichen Regionen sind die rechten und linken Interphalangeal-(PIP-), Metacarpophalangeal-(MCP-) Gelenke, Hand-, Ellenbogen-, Knie-, Sprung- und Metatarsophalangeal-(MTP-) Gelenke.

3. Arthritis der Hand

Mindestens eine Gelenkregion geschwollen (wie oben definiert) in einem Hand-, MCP- oder PIP-Gelenk.

4. Symmetrische Arthritis

Simultane Beteiligung der gleichen Gelenkregionen (wie unter 2. definiert) auf beiden Körperseiten (bilaterale Beteiligung der PIP-, MCP- oder MTP-Gelenke gilt auch ohne absolute Symmetrie).

5. Rheumaknoten

Subkutane Knoten über Knochenvorsprüngen, an den Streckseiten oder in Gelenknähe durch Arztbeobachtung.

6. Rheumafaktor im Serum nachweisbar

Befund abnormaler Titer des Serumrheumafaktors mit irgendeiner Methode, die in weniger als 5% von normalen Kontrollpersonen positiv ist.

7. Radiologische Veränderungen

Für die chronische Polyarthritis typische radiologische Veränderungen auf einer P.-a.-Aufnahme der Hand und der Handgelenke, Erosionen oder eindeutige Knochenentkalkung lokalisiert und den betroffenen Gelenken oder unmittelbar an diese angrenzend (arthrotische Veränderungen allein gelten nicht).

 

 

Kriterien

 

Aus Klassifikationsgründen wird ein Patient als rheumatoide Arthritis diagnostiziert, wenn mindestens 4 dieser 7 Kriterien erfüllt sind. Die Kriterien 1 bis 4 müssen für mindestens 6 Wochen bestanden haben. Patienten mit 2 klinischen Diagnosen sind nicht ausgeschlossen.

 

 

Anmerkung zu den Kriterien

 

 

 

Ausschlusskriterien der RA [2]

 

 

 

Diagnostisch wichtige Krankheitssymptome

 

Gelenkbeteiligungen

 

Am häufigsten (über 40% der Fälle) erfolgt die Erstlokalisation an den PIP- und MCP-Gelenken, die im späteren Verlauf fast immer involviert sind. Charakteristisch ist ferner der Befall der Handgelenke (Erstlokalisation 15%/spätere Beteiligung 85%), der Kniegelenke (15/80%), Sprunggelenke (12/40%), Ellenbogen- und Schultergelenke (je 10/60%). Sehr früh, häufig noch vor den Gelenken im Handbereich, werden auch die Zehengrundgelenke in den Prozess einbezogen, sodass auch bei Patienten ohne Vorfußschmerzen röntgenologisch oft schon die diagnostisch charakteristischen Osteolysen am Metatarsaleköpfchen V nachgewiesen werden. Hüft- (2/25%), Kiefergelenke (4/20%) und HWS (4/60%) stehen in den Anfangsstadien weniger im Vordergrund. Ein ausgeprägter Befall der Fingerend- und Zehengelenke ist ungewöhnlich.

 

 

Extraartikuläre Befunde am Bewegungsapparat

 

Eine Tenosynovialitis der Fingerbeuger und -strecker wird in je 25%, eine Tenosynovialitis sonstiger Sehnen in bis zu 7% beobachtet. Karpaltunnelsyndrome finden sich bei bis zu 60%, Muskelatrophien praktisch bei jedem Patienten.

 

 

Symptomatologie außerhalb des Bewegungsapparates

 

Viszerale Beteiligungen sind, vor allem bei Frühfällen, insgesamt selten. Bei manifesten Formen können sie gelegentlich krankheitsdominant werden. Im Mittelpunkt steht die Vaskulitis, einzelne Organe können wie folgt betroffen werden:

 

 

Weitere extraartikuläre Manifestationen sind Rheumaknoten (ca. 20%), eine Sicca-Symptomatik (ca. 10%), Augensymptome (Episkleritis, Skleritis) und eine heute klinisch seltene Amyloidose.

 

 

Laborwerte

 

 

 

Differenzialdiagnose

 

Die in Tabelle 2 aufgeführten Symptome können bei RA vorkommen, sind jedoch eher für andere Krankheitsbilder typisch. Sie sollten bei jedem Verdacht einer RA abgefragt oder gesucht werden, im positiven Falle sind die genannten Entitäten auszuschließen.

 

 

Tabelle 2. Differenzialdiagnostisch relevante Symptome

 

Symptom

Mögliche Differenzialdiagnose

Monarthritis oder asymmetrische Oligoarthritis

Psoriasiarthritis - Reaktive Arthritis - periphere Arthritis bei Spondylitis ankylosans - Gelenkinfektion - Kristallarthropathien (Arthritis urica, Chondrokalzinose) - Villonoduläre Synovialitis - Hämarthros - Symptomatische Arthropathien u.a. bei Stoffwechselerkrankungen, Neuropathien, Enteropathien, Endokrinopathien - Arthrosen - Gelenknahe Knochenprozesse

 Fingerendgelenksbefall

Psoriasiarthritis - Fingerpolyarthrose - Hypertrophische Ostenarthropathie

Anfallsartige Gelenksymptome (Entwicklung in wenigen Stunden, Dauer bis eine Woche)

Kristallarthropathien - Palindromer Rheumatismus - Hämarthros

Beginn nach Infekten

Reaktive Arthritiden - Rheumatisches Fieber - Gelenkinfektionen

Durchfallsanamnese

Enteropathische Arthritiden (z. B. bei M. Crohn, Colitis ulcerosa) - Reaktive (z. B. Yersinia) Arthritis

Fieber

Kollagenosen - Reaktive Arthritiden - Gelenkinfektionen - Adulter M. Still - Arthritis uica

Hautbeteiligung

Psoriasisarthritis - Kollagenosen - Reaktive und enteropathische Arthritiden - Arthritis bei Sarkoidose - Purpura rheumatica

Schleimhautbeteiligung

Reaktive Arthritiden - Kollagenosen - M. Behcet

Sicca-Symptomatik

Kollagenosen

Augenbeteiligung

Arthritis bei Spondylitis ankylosans - Reaktive Arthritis - M. Behcet

Raynaud-Symptomatik

Kollagenosen

"Atypische" Knoten

Arthritis urica - Arthropathie bei Hyperlipoproteinämien - Fingerpolyarthrose - Fingerknöchelpolster

Ausgeprägte viszerale Beteiligung (u.a. Herz, Lunge, Lymphknoten)

Kollagenosen - Reaktive Arthritiden - Adulter M. Still - M. Behcet - paraneoplastische Arthritis

BSG über 100 mm

Polymyalgia rheumatica - Kollagenosen - Arthritiden bei Paraproteinämien - Gelenkinfektionen - paraneoplastische Arthritis

Leuko,- Thrombozytopenie

Systemischer Lupus erythematodes - Felty-Syndrom - Arthritis bei Leukosen bzw. Koagulopathien

Leukozytose

Infektiöse und reaktive Arthritiden - Adulter M. Still - Arthritis bei Leukosen

 

 

Kriterien der Krankheitsaktivität

 

Es gibt verschiedene unterschiedlich aufwendige Indizes zur Beurteilung der Krankheitsaktivität. In Forschung und Praxis wird am häufigsten der Disease Activity Score (DAS) angewendet [3].

 

 

Literatur

 

Arnett FC, Edworthy SM, Bloch DA, McShane DJ, Fries JF, Cooper NS, Healey LA, Kaplan SR, Liang MH, Luthra HS, Medsger TA Jr, Mitchell DM, Neustadt DH, Pinals RS, Schaller JG, Sharp JT, Wilder RL, Hunder GG (1988) The American Rheumatism Association 1987 revised criteria for the classification of rheumatoid arthritis. Arthr Rheum 31:315–324
Ropes MW, Bennett EA, Cobb S, Jacox R, Jessar R (1958) Revision of diagnostic criteria for rheumatoid arthritis. Bull Rheum Dis 9:175–176
Prevoo ML, van’t Hof MA, Kuper HH, van Leeuwen MA, van de Putte LB, van Riel PL (1995) Modified disease activity scores that include twenty-eight-joint counts. Development and validation in a prospective longitudinal study of patients with rheumatoid arthritis. Arthritis Rheum 38:44–48

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