Basierend auf den zur Verfügung stehenden Studiendaten kann festgestellt werden, dass Mycophenolsäure eine Alternative zur gegenwärtigen Standardtherapie (IV-CYC) bei der schweren Lupus-Nephritis (Induktion und Erhaltung) darstellt. Mycophenolsäure ist zudem bei therapierefraktärer aktiver Erkrankung (gemessen an Aktivitätsscores, Reduktion der Anti-DNA-Antikörper, Komplementnormalisierung und Einsparung von Glukokortikoiden) effektiv. Neuere Daten zeigen bis zu 3 Jahre nach der Induktionstherapie einen (allerdings statistisch nicht signifikanten) Vorteil von MMF gegenüber Cyclophosphamid nicht nur in der Wirkung (Remissionsinduktion), sondern auch und vor allem in selteneren und weniger schweren Nebenwirkungen. Wegen des geringeren Risikoprofils in bezug auf Toxizität und Tolerabilität, insbesondere wegen der fehlenden Kanzerogenität und der geringeren Schädigung der Ovarien, ist der Einsatz von MMF in den genannten Indikationen beim Abwägen von Nutzen und Risiko dem Standard Cyclophosphamid überlegen. Unbeantwortet sind Fragen nach der optimalen Dosis, beispielsweise ob eine unterschiedliche Dosierung für Induktion bzw. Erhaltungstherapie erforderlich ist und ob eine Reduktion bei Remission möglich ist. Auch die Dauer der Erhaltungstherapie ist unklar. Dies trifft jedoch auf alle Immunsuppressiva beim SLE zu.Es besteht weitgehende Einigkeit, dass Mycophenolatmofetil zu den Substanzen gehört, die für die Behandlung der Lupus-Nephritis in großen, prospektiven, randomisierten klinischen Studien mit einer ausreichend langen Nachbeobachtungsphase geprüft werden sollten.