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Zur Krankheitslast muskuloskelettaler Erkrankungen

 

Muskuloskelettale Erkrankungen sind weltweit die führende Ursache von chronischen Schmerzen, körperlichen Funktionseinschränkungen und Verlust an Lebensqualität. Bei schwereren Verlaufsformen kommt es auch zu einer Verringerung der Lebenserwartung. Die sozioökonomischen Folgen für den Einzelnen, das Gesundheitswesen und die Gesellschaft sind enorm.

 

Dies verdeutlichen einige wenige Zahlen:

 

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie ist sich ihrer Verantwortung für diese Volkskrankheiten bewusst. Sie teilt sie mit weiteren Fachgebieten der Medizin wie Orthopädie, Chirurgie, Schmerztherapie u. v. a. In dem vorliegenden Memorandum geht es darum, denjenigen Teil der Betroffenen zu identifizieren, der aufgrund der Schwere und Gefährlichkeit der Erkrankung einer rheumatologisch angeleiteten und/oder fachrheumatologischen Betreuung bedarf und für diesen Personenkreis Anforderungen und Standards der Versorgung zu definieren. Hierzu gehört auch die Beschreibung und Abgrenzung der Aufgaben verschiedener medizinischer Fachdisziplinen in der Versorgung, Rehabilitation und Pflege der Betroffenen sowie die Berücksichtigung der Zielsetzungen der ausreichenden, wirtschaftlichen und dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis entsprechenden Leistungserbringung. Der Behandlungsbedarf kann nicht allein an Diagnosen, sondern er muss vor allem an den - eingetretenen und drohenden - Folgen für den Betroffenen festgemacht werden.

 

Zu den rheumatologisch behandlungsbedürftigen Krankheiten zählen alle diejenigen chronischen Erkrankungen der Bewegungsorgane, die mit hohem Risiko des Verlustes der Selbstversorgung, der Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben oder mit erhöhter Mortalität einhergehen. Dies sind:

 

Für die entzündlich-rheumatischen Systemerkrankungen kann nach verschiedenen deutschen und europäischen Studien von einer Punktprävalenz von knapp 2 % unter Erwachsenen ausgegangen werden (undifferenzierte Arthritis 0,05 % 1; rheumatoide Arthritis 0,65 %, Spondyloarthritiden 1,15 %, Kollagenosen, Vaskulitiden 0,1 % (nähere Angaben in Kapitel 3). Dies ergibt rund 1,5 Millionen betroffene Erwachsene; hinzukommen etwa 15.000 chronisch rheumakranke Kinder. Weiter zu berücksichtigen sind Kranke mit Polyarthrosen, Kristallarthropathien und chronisch-behindernden „weichteilrheumatischen“ Störungen (unspezifische Rückenschmerzen, Fibromyalgie). Die Prävalenz symptomatischer, behandlungsbedürftiger Verlaufsformen dieser Erkrankungen liegt bei etwa 12 % der Bevölkerung. Bei einer bewusst konservativen Annahme, dass hiervon 10 % pro Jahr einer rheumatologischen Mitbetreuung bedürfen, ergeben sich weitere 1,2 % der Bevölkerung, die vom internistischen Rheumatologen mitbetreut werden müssen. Insgesamt gehen wir von einem internistisch-rheumatologischen Behandlungsbedarf bei 3,2 % der Erwachsenen oder 2,2 Mio. Personen in Deutschland aus.

 

 

Literatur

 

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1 Die hier genannten Häufigkeiten geben aus Gründen der Übersichtlichkeit gemittelte Häufigkeiten wieder. In Kapitel 3 werden in der Regel Prävalenzbereiche und die sie begründenden Einzelstudien genannt (für die RA z. B. 0,5 – 0,8 %).

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