
Die Immungenetik liefert viele Kandidaten für diagnostische oder prognostische Marker. Sie bietet wichtige Hinweise, welche speziellen Zellen, Moleküle und genetischen Regulatoren oder Dispositionen an den Autoimmunreaktionen beteiligt sind.
Immungenetik – HLA-Assoziation, molekulare Gouvernanten und „verwandte“ Krankheiten
Seit langem ist die Assoziation der rheumatoiden Arthritis (RA) mit dem HLA-Komplex bekannt. Doch was bedeutet dies eigentlich? Es werden verschiedene Möglichkeiten einer immunologischen Interpretation in Erinnerung gerufen und eine neuere Variante vorgestellt.
Hierbei handelt es sich um die Interaktion zwischen Komplexen aus Antigen und molekularen Chaperonen der HSP70-Familie einerseits und HLA-DR-ß-Ketten andererseits, speziell der DRB1*0401-ß-Kette, die die meisten RA-Patienten unserer Region tragen. Dieser Mechanismus könnte *0401+ Personen Vorteile bei der Infektabwehr, aber eine höhere Anfälligkeit für Autoimmunerkrankungen bringen. Chaperonmaschinen sind im Gelenk von Patienten mit rheumatoider Arthritis hoch reguliert. Was tun sie dort? Da ihre Anzahl und Vielfalt groß ist, bestehen viele Möglichkeiten, die von Antigenpräsentation bis zu Immunregulation reichen.
Neben dem HLA-Komplex spielt der „genetische Hintergrund“ für die Entwicklung einer Autoimmunerkrankung eine wichtige Rolle. Dies lässt sich in Familien von Patienten mit RA oder Sklerodermie zeigen, in denen ein hoher Anteil der erstgradig Verwandten ebenfalls an einer „verwandten“ Krankheit leidet.
Z Rheumatol 64: 402–407 (2005), I. Melchers