Pressemitteilung Nr. 6/2017
Pressemitteilung Nr. 1/2014



Rheumatologie mit drei Bewerbungen beim Innovationsfonds erfolgreich

 

Verbesserte Versorgung von Rheumapatienten

 

Berlin, Mai 2017 ̶  Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bewilligte im April 26 weitere Förderprojekte, die im Rahmen der in 2016 ausgeschriebenen zweiten Förderwelle der neuen Versorgungsformen eingereicht worden waren. Der Rheumatologie ist es gelungen, in der ersten und zweiten Welle insgesamt drei von 55 Projekten erfolgreich beim Innovationsfonds zu platzieren: Die Projekte StärkeR, VERO und Rheuma-VOR. Das Fördervolumen der drei Projekte beträgt zusammen 16,4 Mio Millionen Euro. Der Fördertopf mit einem Gesamtvolumen von 300 Millionen Euro, stellt 225 Millionen Euro für Projekte zu neuen Versorgungsformen und 75 Millionen Euro für Versorgungsforschung bereit. Die Ausschreibungsphase für 2017 endet mit dem Monat Mai.

 

Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind hierzulande nicht bestmöglich versorgt. Das aktuelle Memorandum der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) zeigt auf, dass es dafür 1.350 Rheumatologen bräuchte – das sind fast doppelt so viele wie zurzeit tätig. Hinzu kommt, dass Routineaufgaben die ohnehin knappen ärztlichen Kapazitäten binden. Die Folge ist, dass für die Betroffenen nicht immer die gewünschten Therapieziele erreicht werden können. Um die Situation zu verbessern, könnten qualifizierte rheumatologische Fachassistentinnen (RFA) ausgewählte Aufgaben der rheumatologischen Patientenversorgung übernehmen. Ob dies machbar ist, untersucht das Projekt „Strukturierte Delegation ärztlicher Leistungen im Rahmen konzeptionsgeregelter Kooperation in der Versorgung von Patienten mit entzündlichem Rheuma/StärkeR“, mit dem sich das Rheumazentrum Ruhrgebiet in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum und niedergelassenen Rheumatologen aus dem RheumaNetz WestfalenLippe um den Innovationsfond beworben hat.

 

Das für 36 Monate mit 2,3 Mio Euro geförderte Projekt will Modelle für Prozessverbesserungen in der Versorgung von Rheuma-Patienten durch eine effektivere und effizientere Zusammenarbeit verschiedener an der Versorgung beteiligter Berufsgruppen entwickeln. Kernpunkt des Projekts ist die strukturierte Delegation ärztlicher Leistungen an rheumatologische Fachassistent(inn)en (FASS). Hierfür sollen bereits vorhandene FASS-Fortbildungsformate als Grundlage dienen. In Kooperation mit den damit seit Jahren befassten Experten werden die Antragsteller diese überarbeiten. Das daraus zu entwickelnde Programm soll im Zuge einer kontrollierten Kooperationsstudie in 15 bis 20 Zentren in Westfalen-Lippe und perspektivisch auch an anderen Orten ausgerollt werden – in rheumatologischen Schwerpunktpraxen ebenso wie in Krankenhausambulanzen. „Der Aufbau von Behandlungsteams unter Einbeziehung der rheumatologischen Fachassistentinnen hat das Potenzial zur Verbesserung der gesamten Versorgung, nicht zuletzt auch im Hinblick auf eine möglich erscheinende Verkürzung von Wartezeiten, gesteigerter Patientenzufriedenheit, der Lebensqualität der Patienten und, last but not least auch der Krankheitsaktivität“, unterstreicht Projektleiter Professor Dr. med. Jürgen Braun aus Herne die Relevanz der angestrebten Veränderungen. „In letzter Konsequenz kann sich dies auf die strukturellen Schäden durch den entzündlichen Prozess auswirken und langfristig Arbeitsfähigkeit und Teilhabe der betroffenen Menschen verbessern“, so J. Braun.

 

Geplant ist, 800 Patienten mit stabilem Verlauf einer chronischen Polyarthritis oder einer Psoriasisarthritis in zwei Behandlungspfade einzuschließen und im Rahmen einer randomisierten, multizentrischen, Beurteiler-blinden Studie die Rolle einer Fachassistenz-gesteuerten Versorgung von Patienten mit einer chronischen Gelenkentzündung zu untersuchen. Dafür wird diese neue Versorgungsform mit integrierter Delegation mit der aktuellen Standardversorgung verglichen. Als Anhaltspunkt für Qualitätsunterschiede ziehen die Forscher die Differenz der Krankheitsaktivität zwischen Beginn und Ende des Evaluationszeitraumes heran sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität in den Gruppen. Darüber hinaus erfassen sie die Veränderungen im Verlauf hinsichtlich Funktionskapazität, Patientenzufriedenheit und Ressourcenverbrauch – das sind vor allem Zeit und erbrachte Leistungen.

 

An dem Projekt sind folgende Einrichtungen und Kooperationspartner beteiligt: Rheumazentrum Ruhrgebiet, BARMER GEK, Koordinierungszentrum für Klinische Studien Marburg, Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Ruhr-Universität Bochum

 

Sind die Symptome und Beschwerden einer rheumatoiden Arthritis durch erfolgreiche Behandlung unter Kontrolle, also zur Remission gebracht, können einige Patienten die entzündungshemmenden Medikamente bei entsprechender engmaschiger Kontrolle reduzieren oder sogar absetzen. Das großangelegte Modellprojekt VERO („Versorgung von Menschen mit Rheuma optimieren“) stellt eine engmaschige Krankheitskontrolle verbunden mit der Chance einer schrittweisen Reduktion anti-rheumatischer Arzneimittel auf den Prüfstand. Erstmals in Deutschland soll dieses Konzept bei einer großen Zahl von Patienten systematisch umgesetzt und evaluiert werden. Projektziel ist, ein umfassendes Krankheitsmanagement für Patienten mit rheumatoider Arthritis zu entwickeln, wobei auch das Selbstmanagement von Patienten gestärkt werden soll. Dabei stehen Patienten mit rheumatoider Arthritis in Remission im Vordergrund, denen verschiedene Behandlungspfade angeboten werden. Diese ermöglichen es dem Rheumatologen und dem Patienten, im Falle einer stabilen Remission die anti-rheumatische Therapie strukturiert zu reduzieren. VERO ist ein Gemeinschaftsprojekt des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen, des Universitätsklinikums Erlangen unter Leitung von Professor Dr. med. Georg Schett, des Hamburg Center for Health Economics sowie der Techniker Krankenkasse und 14 weiteren Krankenkassen.

 

Eine besondere Rolle bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen kommt der Früherkennung zu, nur so lassen sich Folgeschäden verhindern, was den Erhalt der Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit der Patienten sichert. Das mit rund sechs Millionen Euro geförderte Projekt „Rheuma-VOR“ ̶ Verbesserung der rheumatologischen Versorgungsqualität durch koordinierte Kooperation fokussiert auf die Frühdiagnose von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Ziel ist es, aufbauend auf den Erfahrungen des rheinland-pfälzischen Rheumanetzwerkes ADAPTHERA, die Frühdiagnose Erkrankungen in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Saarland zu optimieren. „Hauptziel des Projektes ist die Verkürzung der Zeit bis zur Diagnosestellung“, erklärt Projektleiter Professor Dr. Andreas Schwarting, Leiter des Schwerpunktes Rheumatologie und Klinische Immunologie der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik an der Universitätsmedizin Mainz und ärztlicher Direktor des ACURA Rheumazentrums Bad Kreuznach. Die neue Versorgungsform sieht eine „koordinierte Kooperation“ zwischen Hausärzten, Fachärzten und Patienten vor. Fachübergreifend besetzte Koordinationsstellen, die früh in den Diagnoseprozess eingebunden werden, steuern den Prozess: Sie helfen dem Hausarzt zum Beispiel bei der Entscheidung, ob und wie dringlich eine Behandlung eingeleitet werden muss. Nach 18 Monaten prüfen die Forscher, inwieweit sich die Schulung der Hausärzte und der Einsatz der Koordinierungsstellen in einer steigenden Anzahl von gemeldeten Fällen widerspiegeln. Darüber hinaus wird die tatsächlich erreichte Zeit bis zur Diagnose evaluiert.

 

Folgende Partner sind an dem Projekt beteiligt: Universitätsmedizin Mainz, Medizinische Hochschule Hannover, Universitätsklinikum des Saarlandes, Rheumazentrum Niedersachsen, Rheumazentrum RLP/ ACURA Kliniken Rheinland-Pfalz AG, Rheumazentrum Saarland, KV-Rheinland-Pfalz, KV-Niedersachsen und KV-Saarland, Deutscher Hausärzte-Verband Landesverband Rheinland-Pfalz e.V., Saarländischer Hausärzte-Verband e.V., Niedersächsischer Hausärzteverband, Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband, Landesverbände Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Saarland, Gesundheitsökonomie Leibniz Universität Hannover, Deutsches Rheumaforschungszentrum, Berlin

 

Bereits im Jahr 2016 stellten Bewerber an den Innovationsfond Anträge mit einem Gesamtvolumen von 1,7 Milliarden Euro. Die aktuelle Förderung des Innovationsfonds bietet neben den oben genannten infrastrukturellen Finanzierungswegen weitere Chancen: Der Förderausschuss wählt nicht nur die erfolgreichen Bewerbungen aus. Das Gremium entscheidet später auch maßgeblich mit darüber, welche Projekte in die Regelversorgung übernommen werden. Die Ausschreibung für das Jahr 2018 erfolgt im Herbst, die Themen werden derzeit festgelegt.

Kontakt:

Anna Julia Voormann
Sprecherin des Vorstands
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e. V.
Geschäftsstelle der DGRh
Köpenicker Straße 48/49, Aufgang A
10179 Berlin
Tel. +49 30 240 484 70
Fax +49 30 240 484 79
anna.voormann@dgrh.de
www.dgrh.de