Die Anfänge der Rheumatologie
Rudolf Schoen – der erste Präsident
Rheumatologie in Ost und West



Rudolf Schoen

 

 

Der erste Präsident

 

Während des Deutschen Bädertages in Bad Neuenahr vom 9. bis 12. Oktober 1949 wurde in der Bundesrepublik Deutschland die „Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie“ (DGRh) gegründet, organisatorisch eingebunden in den Deutschen Bäderverband. In den 1950er- Jahren trennte sich die Gesellschaft vom Bäderverband und konstituierte sich 1956 als eigenständiger und eingetragener Verein. Trotz Namensänderung sah sich die „Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie“ mit ihrem ersten Präsidenten Rudolf Schoen (1949-1951) in der Nachfolge der „Deutschen Gesellschaft für Rheumabekämpfung“.

 

Wissenschaftliches Organ der DGRh wurde die „Zeitschrift für Rheumatologie“. Gleich in der ersten Ausgabe nach Kriegsende wandte sich die Zeitschrift an die Schweizer Rheumatologen – ein erster erfolgreicher Schritt aus der kriegsbedingten internationalen Isolation der deutschen Rheumatologie. Die Gesellschaft bemühte sich in den darauffolgenden Jahren um eine Anerkennung in der internationalen Forschergemeinde. Mit Erfolg: Im Jahr 1951 nahmen in Barcelona erstmals nach dem Krieg deutsche Rheumatologen an einem europäischen Rheumatologen-Kongress teil. Karl Max Walthard, Vorsitzender der „Schweizerischen Gesellschaft für physikalische Medizin und Rheumatologie“, setzte sich auf diesem Kongress erfolgreich für die Wiederaufnahme Deutschlands in die EULAR (European League Against Rheumatism) ein. Die deutschen Rheumatologen waren damit – auch formal – wieder in die europäische Forschergemeinde eingebunden.

 

Als Leiter der Medizinischen Klinik beteiligte sich Rudolf Schoen nach dem Krieg entscheidend am Wiederaufbau der Universität Göttingen, vor allem der Medizinischen Fakultät. Maßgeblich trug er zur Gründung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bei, deren Gründungsrektor er wurde (1965-1967). Im Jahr 1954 ernannte ihn die DGRh zum ständigen Ehrenpräsidenten und zum Ehrenmitglied. Heute erinnern noch der von der DGRh vergebene Rudolf-Schoen-Preis und das Rudolf-Schoen-Stipendium an den ersten Nachkriegspräsidenten der Gesellschaft.

 

Quelle

Torsten Hewelt, Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, 1927-2007. Halle, 2009

 

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