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Rheumastiftung zeichnet neue Forschungsidee bei Vaskulitis aus

 

Vaskulitiden sind entzündlich-rheumatische Erkrankungen der Blutgefäße, die schwere Organschäden hervorrufen und nicht selten lebensgefährlich verlaufen. Ein neuer Forschungsansatz bei einer besonders schweren Form, der Granulomatose mit Polyangiitis, siegte beim diesjährigen Ideenwettbewerb der Rheumastiftung. Die Idee von Dr. rer. nat. Anja Kerstein aus der Klinik für Rheumatologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, zielt auf die Identifikation neuer Therapieziele.


Die Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) ist eine schwere, mit Wucherungen und Gewebezerstörung einhergehende Entzündung der Atemwege, der eine Entzündung der Blutgefäße im ganzen Körper folgen kann und die unbehandelt rasch zum Tode führt. Die Krankheit kann heute durch Medikamente relativ schnell unter Kontrolle gebracht, aber nicht geheilt werden, und die Komplikationen einiger Therapien können teilweise schwerwiegend sein. Obwohl die Ursache noch unbekannt ist, sind einzelne Entwicklungsschritte der Krankheit aufgeklärt. Unter anderem weiß man, dass eine bestimmte Gruppe von Abwehrzellen, die sogenannten neutrophilen Granulozyten, auf ihrer Oberfläche Enzyme ausbilden, gegen die das Immunsystem unter dem Einfluss weiterer entzündungsfördernder Faktoren Antikörper produziert (sog. ANCA: anti-Neutrophile zytoplasmatische Antikörper). Die Folge ist, dass das fehlgeleitete Immunsystem körpereigenes Gewebe und Blutgefäße angreift und zerstört. Kürzlich wurden neue Einflussfaktoren entdeckt, die an diesem Prozess beteiligt sind, so genannte Alarmine. Das sind körpereigene Substanzen, die unter bestimmten Umständen das Immunsystem aktivieren können. Sie könnten ein neues Ziel darstellen, um wirksam den Krankheitsverlauf in einem frühen Stadium zu unterbrechen. Die Forschungsidee zielt darauf, über die Beeinflussung der Alarmine die Entwicklung der Autoimmunreaktion zu unterbinden und damit die chronische Entzündung der Blutgefäße zu stoppen.

 

Dr. Anja Kerstein hat einen Masterabschluss in Molecular Life Science an der Universität Lübeck erworben und ist derzeit Postdoktorandin in der Klinik für Rheumatologie am UKSH Lübeck. Sie hat 2015 ihre Dissertation zu Alarminen in der GPA vorgelegt und bereits Arbeiten auf dem Gebiet der Vaskulitisforschung publiziert. Der Preis für den Ideenwettbewerb ist mit 2.500 € dotiert und wird in diesem Jahr mit freundlicher Unterstützung durch die Lilly Deutschland GmbH vergeben. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung des 44. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie am 31. August in Frankfurt.

 

Die Rheumastiftung wurde von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und der Deutschen Rheuma-Liga gegründet. Sie ist die erste gemeinnützige Stiftung in Deutschland, die gemeinsam von der wissenschaftlichen Fachgesellschaft und der Patientenselbsthilfeorganisation getragen wird und die sich das Motto „Rheuma heilbar machen“ auf die Fahnen geschrieben hat. Die Rheumastiftung finanziert eine Stiftungsprofessur für Versorgungsforschung, fördert Forschungsprojekte und schreibt regelmäßig Ideenwettbewerbe für neue Forschungsideen aus, für die dann gezielt Mittel eingeworben werden.


Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) ist mit mehr als 1.500 Mitgliedern die größte medizinische Fachgesellschaft in Deutschland im Bereich der Rheumatologie. Sie repräsentiert seit mehr als 80 Jahren die rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung in Deutschland. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und ohne Verfolgung wirtschaftlicher Ziele zum Nutzen der Allgemeinheit.

Dr. rer. nat. Anja Kerstein

Kontakt:

Dr. med. Julia Rautenstrauch
Generalsekretärin
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e. V.
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