Medikamentöse Therapie:
Abatacept
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Therapie
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Literatur



Sonstige Stellungnahmen



Nebenwirkungen

 

Die Daten zu Nebenwirkungen unter Abatacept stammen überwiegend aus den zulassungsrelevanten fünf publizierten Placebo-kontrollierten Studien. In diesen wurden 1960 Patienten mit verschiedenen Dosen von Abatacept (0,5, 2 oder 10 mg/kg Körpergewicht) zwischen 24 und 48 Wochen behandelt und beobachtet. Alle Patienten hatten durchgehend eine DMARD-Therapie, in etwa 75% Methotrexat.

 

Die Zahl der Nebenwirkungen war insgesamt ähnlich in den Abatacept- und Placebo-Gruppen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Nasopharyngitis, Kopfschmerzen und Übelkeit; diese traten je nach Studie in bis zu 13 % der Fälle auf und waren mehrheitlich nicht signifikant häufiger als in den Placeboarmen.

 

Auch die Zahl schwerer Nebenwirkungen war in den Abatacept-Gruppen nicht signifikant vermehrt, die Zahl der Abbrüche aufgrund schwerer Nebenwirkungen jedoch leicht erhöht.

 

Genauer soll die Zahl der Infektionen betrachtet werden. In der Pilotstudie von Moreland (6) ohne begleitende DMARD-Therapie war die Zahl schwerer unerwünschter Ereignisse (UE) in den Verum-Gruppen mit 4% geringer als in der Placebo-Gruppe mit 13%; ein Patient unter Abatacept-Behandlung entwickelte eine septische Arthritis. Abbrüche aufgrund von UEs traten bei 4 von 90 Verum-Patienten auf, jedoch bei keinem Placebo-Patienten. Infusionsreaktionen waren in den Verum- und Placebo-Gruppen ähnlich häufig.

 

In der Phase IIb-Dosisfindungsstudie (7) wurde Abatacept gut vertragen. Die häufigsten UEs Nasopharyngitis, Kopfschmerz und Übelkeit waren bei Verum- und Placebo-Patienten vergleichbar häufig. Schwere UEs wurden seltener in der 10 mg/kg KG-Gruppe berichtet als in den 2 mg- und Placebo-Gruppen, ebenso Studienabbrüche. Atemwegsinfektionen wurden bei 5 Patienten der 10 mg-Abatacept-Gruppe und bei einem Placebo-Patienten berichtet. 

 

In der ATTAIN-Studie (5) erhielten 258 Patienten nach TNF-alpha-Hemmer-Versagen Abatacept zusätzlich zu einem DMARD, in 75% MTX.  Häufigkeiten von UEs (79,5 und 71,4%) und schweren UEs (10,5 und 11,3%) waren vergleichbar zwischen Abatacept und Placebo, ebenso die Abbruchraten. Infektionen waren in der Abataceptgruppe leicht, statistisch nicht signifikant vermehrt (37,6 vs 32,3%), ebenso Infusionsreaktionen (5 vs 3%).

 

In der AIM-Studie (4) wurden 433 Patienten, die auf MTX nicht ausreichend angesprochen hatten, mit Abatacept behandelt, 219 erhielten Placebo. Auch hier waren UEs in der Verumgruppe nicht signifikant erhöht, wohl aber die Abbruchrate wegen der UEs (4,2 vs 1,8%). Auch schwere UEs waren unter Abatacept etwas häufiger (15,0 vs 11,9%), dieser Unterschied erreichte jedoch nicht statistische Signifikanz. Sowohl die Zahl schwerer Infektionen (2,5 vs 0,9%) als auch die der Infusionsreaktionen (8,8 % vs 4,1%) war unter Abatacept höher. Je ein Tuberkuloseverdachtsfall in der Abatacept- und Placebo-Gruppe konnte histologisch nicht bestätigt werden.

 

In der ASSURE-Studie (8) wurden 1441 Patienten mit Abatacept zusätzlich zu einem traditionellen DMARD (in 80% MTX) oder darüber hinaus einem Biologikum (in 64% Etanercept) behandelt. Vergleichbar waren die Häufigkeiten von UEs, schwerwiegenden UEs und Studienabbrüchen insgesamt. Die Zahl schwerer Infektionen lag jedoch mit 2,9% (vs. 1,9%) höher als in der Placebo-Gruppe. In der Gruppe, die eine Biologika-Basistherapie und zusätzlich Abatacept erhielt, waren sowohl Studienabbrüche (8,7 vs 3,1%) wie auch schwere Infektionen (5,8 % vs 1,6%) signifikant häufiger als in der Gruppe, die Abatacept kombiniert mit einer herkömmlichen Basistherapie erhielt.

 

Diese Tendenz fand auch Weinblatt (9), der den Effekt einer zusätzlichen Abatacept-Therapie zu einer vorbestehenden Etanercept-Therapie an 85 Patienten untersuchte. Nach einem Jahr waren bei ähnlicher Wirksamkeit mehr SAEs (16,5% vs 2,8%) und schwere Infektionen (3,5% vs 0%) in der Kombinationsgruppe zu beobachten.

 

Schiff berichtete über eine geringere Rate von schweren UEs (9,6% vs 18,2%) einschließlich schwerer Infektionen (1,9% vs 8,5%) nach einem Jahr Abatacept-Therapie (10 mg / kg KG alle 4 Wochen) im Vergleich zu einer Infliximab-Therapie in einer Dosis von 3 mg/kg KG alle 8 Wochen (10). Eine Metaanalyse unter Einschluss von 5 RCT fand schließlich für Abatacept keine erhöhte Rate an schweren Infektionen im Vergleich zu den Kontrollgruppen (11).

 

Eine Vermehrung der Infektion mit opportunistischen Erregern, intrazellulären Erregern oder Tuberkulose wurde nicht berichtet.

 

Infusions-Reaktionen waren in allen Studien insgesamt selten und im Vergleich zur Placebo-Gruppe nicht signifikant erhöht.

 

Noch keine ausreichenden Erfahrungen liegen zur Auswirkung einer Abatacept-Therapie auf Entstehung und Verlauf von Malignomen vor. In Studien bei Mäusen wurde unter Abatacept eine erhöhte Rate an Lymphomen und Mamma-Tumoren festgestellt. In kontrollierten Studien traten in den Abatacept-behandelten Gruppen Karzinome, z.B. Bronchial-Karzinome, auf.  Diese lagen jedoch insgesamt in der Häufigkeit nicht über der erwarteten Inzidenz für eine Vergleichspopulation von RA-Patienten. Allerdings traten mehr Neoplasmen in der Gruppe auf, die Abatacept zusätzlich zu einer Biologika-Therapie erhielt, als in der mit Abatacept und klassischer DMARD-Therapie ( 7% vs 2%, absolut 7 vs. 1 Patient). Insgesamt reichen die bestehenden Erfahrungen zu der Frage der Malignomauslösung oder des Verlaufs von Malignomen unter Therapie für eine definitive Empfehlung noch nicht aus, zumal in Studien Patienten mit Malignom-Anamnese ausgeschlossen waren.

 

Antikörper gegen Abatacept wurden bei einer kleinen Zahl von behandelten Patienten (2.8 %) nachgewiesen und führten mehrheitlich nicht zu Konsequenzen. Bei Patienten, die die Therapie abbrachen, war der Prozentsatz der Antikörper-Positiven erhöht (12).

Empfehlungen zum Einsatz von Abatacept bei Patienten mit rheumatoider Arthritis

 

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